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Rentenrechner für GGF: So berechnest du deine Versorgungslücke

Anleitung: Wie du deine persönliche Versorgungslücke als GGF berechnest – mit Beispiel-Szenarien

Warum die Berechnung der Versorgungslücke dein Fundament ist

Ohne Kenntnis deiner Versorgungslücke navigierst du blind. Du weißt nicht, wie viel du sparen musst. Du weißt nicht, ob deine Sparraten ausreichen. Du weißt nicht, ob deine aktuelle Versorgung auf Kurs ist. Die Versorgungslücke ist der zentrale KPI (Key Performance Indicator) deiner gesamten Altersvorsorgestrategie. Mit dieser Anleitung rechnest du sie selbst aus – und gewinnst damit konkrete Klarheit über deine Situation.

Schritt 1: Dein erwartetes Renteneinkommen berechnen

Sammle alle Einkommensquellen, die dir im Alter fließen werden. Erstens: Die gesetzliche Rente. Die Deutsche Rentenversicherung sendet dir jährlich eine Rentenauskunft. Diese Auskunft zeigt dir dein prognostiziertes Renteneinkommen – typisch etwa 60–70 % deines durchschnittlichen Einkommens. Beispiel: Du zahlst durchschnittlich 4.000 Euro Rente aus, deine Rente mit 67 wäre 2.400 Euro monatlich. Zweitens: Private Renten und Rentenpapiere. Hast du eine private Rentenversicherung? Aktien, die Dividenden zahlen? Immobilien, die Mieteinnahmen bringen? Alle diese Quellen zählen. Drittens: Die zukünftige Betriebsrente (GGF-Versorgung), die du noch aufbaust. Beispiel: Du planst eine monatliche Rente von 3.000 Euro ab Alter 65.

Schritt 2: Dein erwarteter Lebensstandard definieren

Wie viel Geld brauchst du monatlich im Alter? Das ist eine persönliche Frage. Manche GGF lebten sparsam, andere kostspielig. Dein bisheriger Lebensstil ist ein guter Orientierungspunkt. Wenn du heute 100.000 Euro brutto verdienst und davon etwa 65.000 Euro netto zur Verfügung hast (minus Steuern, Sozialabgaben), dann brauchst du im Alter wahrscheinlich auch etwa 65.000 Euro – oder vielleicht 75 %, weil du weniger Altersvorsorge sparst und weniger pendeln musst: ~49.000 Euro pro Jahr. Das ist 4.083 Euro monatlich. Schreib eine realistische Zahl auf.

Schritt 3: Inflation einrechnen

Dein Lebensstandard wird teurer. Mit 2 % durchschnittliche Inflation verdoppelt sich die Kaufkraft alle 35 Jahre. Das ist ein großer Effekt. Wenn du heute 4.000 Euro monatlich brauchst und in 20 Jahren in Rente gehst, brauchst du nicht mehr 4.000, sondern etwa 5.950 Euro monatlich (mit 2 % Inflation). Rechnung: 4.000 Euro × 1,02^20 = 5.950 Euro. Nutze diese Formel für deine Zahl. Manche Finanzrechner bieten auch Inflation-Rechner online an – die sparen dir die Mathematik.

Schritt 4: Deine Versorgungslücke berechnen

Jetzt der kritische Schritt. Versorgungslücke = Bedarf - Einkommen. Beispiel: Du brauchst 5.950 Euro monatlich (inflationsbereinigt). Deine Einkommen sind: Gesetzliche Rente 2.400 Euro + Private Rente 500 Euro + geplante GGF-Versorgung 3.000 Euro = 5.900 Euro. Versorgungslücke: 5.950 - 5.900 = 50 Euro monatlich. In diesem Fall: Du hast eine kleine Lücke! Alternativ: Versorgungslücke = 0 Euro – du bist super geplant. Oder: Versorgungslücke = 1.500 Euro monatlich – du brauchst mehr Rente. Das ist dein reales Szenario. Kalkuliere es konkret durch.

Schritt 5: Backtesting – Ist deine Sparquote ausreichend?

Jetzt wird es praktisch. Du hast eine Versorgungslücke. Wie viel musst du HEUTE sparen, um diese Lücke zu schließen? Das ist komplex, weil es Renditeannhamen, Lebensdauer und Inflation berücksichtigt. Ein vereinfachtes Modell: Mit einer angenommenen Rendite von 4 % pro Jahr und einer angenommenen Lebensdauer von 30 Jahren im Ruhestand, brauchst du heute etwa das 15–20-Fache deiner jährliche Versorgungslücke angespart. Beispiel: Versorgungslücke 50 Euro monatlich = 600 Euro jährlich = 15 Jahre × 20 = 300.000 Euro Sparbedarf bis Ruhestand. Das ist eine Faustregel – ein echter Versorgungsmathematiker würde hier mit Annuitätenformeln rechnen, aber das ist für deine erste Orientierung ausreichend.

Schritt 6: Deine jährliche Sparrate definieren

Wenn dein Gesamtsparbedarf 300.000 Euro ist und du noch 15 Jahre arbeiten wirst, brauchst du jährlich 300.000 Euro / 15 Jahre = 20.000 Euro sparen (vereinfacht, ohne Renditen). Mit Renditen brauchst du weniger – etwa 12.000–15.000 Euro pro Jahr. Das ist deine Zielsparsumme. Ist deine Versorgungszusage so formuliert, dass du diese Summe jährlich sparen kannst? Wenn ja: Gut, du bist auf Kurs. Wenn nein: Du brauchst eine Anpassung.

Szenarien und Risiken

Rechne mehrere Szenarien durch: Optimistisches Szenario (4 % Rendite, leben bis 95). Realistisches Szenario (3 % Rendite, leben bis 90). Pessimistisches Szenario (2 % Rendite, leben bis 100, plus 3 % Inflation). Für jedes Szenario: Wie groß ist die Versorgungslücke? Die Differenz zwischen optimistisch und pessimistisch zeigt dir, wie robust oder fragil deine Planung ist. Eine robuste Planung zeigt nur kleine Unterschiede. Eine fragile Planung kann zwischen Überversorgung und großer Lücke variieren.

Digitale Tools nutzen

Es gibt Online-Rentenrechner. Die Rentenlückenrechnung der Stiftung Warentest, die Rentenrechner der Deutschen Rentenversicherung, oder bAV-spezialisierte Tools. Diese sparen dir Kopfschmerzen. Aber Achtung: Jeder Rechner macht unterschiedliche Annahmen über Inflation und Rendite. Nutze mehrere Tools und vergleich die Ergebnisse. Wenn alle Tools dir sagen ‚deine Lücke ist etwa 1.000 Euro monatlich', dann weißt du: Das ist robust.

Bereit für den nächsten Schritt? Lass dich von Experten begleiten.

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