Die Direktversicherung ist das Einsteigerprodukt der betrieblichen Altersvorsorge: einfach abzuschließen, wenig Verwaltungsaufwand, und der steuerliche Vorteil ist sofort spürbar. Aber „einfach“ heißt nicht „optimal“. In diesem Artikel erfährst du, wann die Direktversicherung die richtige Wahl ist — und wann du mehr brauchst.
So funktioniert die Direktversicherung
Dein Arbeitgeber schließt eine Rentenversicherung auf deinen Namen ab. Die Beiträge fließen direkt aus dem Bruttogehalt — entweder als Entgeltumwandlung (du verzichtest auf Gehalt) oder arbeitgeberfinanziert (dein Chef zahlt zusätzlich).
Die Versicherung läuft bis zu deinem Rentenalter und zahlt dann eine monatliche Rente oder wahlweise eine Kapitalabfindung.
Die Zahlen für 2026
Steuerfreier Höchstbeitrag: 338 Euro pro Monat (4.056 Euro pro Jahr). Das entspricht 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung (einheitlich seit 2025). Zusätzlich: Bis zu 1.800 Euro jährlich pauschalbesteuert nach § 40b EStG — aber nur für Altverträge vor 2005.
Sozialversicherungsfrei: Die 338 Euro monatlich sind auch sozialversicherungsfrei — das spart Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils circa 20 Prozent Sozialabgaben auf den umgewandelten Betrag.
Die Vorteile der Direktversicherung
Einfachheit: Kein Gesellschafterbeschluss nötig (bei reiner Entgeltumwandlung), keine komplexe Bilanzierung, keine versicherungsmathematischen Gutachten.
Portabilität: Beim Jobwechsel kannst du die Versicherung mitnehmen oder auf den neuen Arbeitgeber übertragen.
Insolvenzschutz: Die Versicherung gehört wirtschaftlich dem Arbeitnehmer. Im Insolvenzfall des Arbeitgebers ist sie geschützt.
Arbeitgeberzuschuss: Seit dem BRSG muss dein Arbeitgeber mindestens 15 Prozent des umgewandelten Betrags zuschießen, wenn er Sozialversicherungsbeiträge spart. Das sind bei 338 Euro circa 45 Euro monatlich — geschenktes Geld.
Die Nachteile der Direktversicherung
Begrenzter Beitrag: 338 Euro monatlich klingt nach viel — ist aber für die Altersvorsorge wenig. Über 25 Jahre bei 4 Prozent Rendite ergibt sich ein Kapital von circa 174.000 Euro. Das reicht für eine Monatsrente von circa 500 Euro.
Hohe Produktkosten: Viele Direktversicherungen sind Provisionstarife mit Effektivkosten von 1,5 bis 2,5 Prozent jährlich. Das frisst einen erheblichen Teil der Rendite. Ein ETF-basierter Nettotarif spart hier schnell 50.000 Euro über die Laufzeit.
Garantiezinsfalle: Viele Tarife bieten einen Garantiezins von 1,0 Prozent. Das bedeutet: Dein Geld wachst kaum. Erst mit fondsgebundenen Tarifen ohne Garantie erreichst du marktübliche Renditen.
Doppelverbeitragung im Alter: Die Betriebsrente wird im Alter voll mit Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen belastet — aktuell circa 18 Prozent. Das reduziert die Nettorente erheblich.
Für wen die Direktversicherung ausreicht — und für wen nicht
Ausreichend: Arbeitnehmer mit durchschnittlichem Einkommen, die eine Ergänzung zur gesetzlichen Rente suchen. Besonders sinnvoll, wenn der Arbeitgeber einen großzügigen Zuschuss zahlt.
Nicht ausreichend: GGF mit hohem Einkommen, die eine große Versorgungslücke schließen müssen. Für einen GGF mit 150.000 Euro Gehalt und null gesetzlicher Rente ist die Direktversicherung nur der Anfang — nicht die Lösung.
Tipps für die Direktversicherung
Tipp 1: Wähle einen Nettotarif. Provisionstarife kosten dich über die Laufzeit 30.000 bis 80.000 Euro mehr. Nettotarife (zum Beispiel von Condor, myLife oder ETF-basierten Anbietern) sparen diese Kosten ein.
Tipp 2: Fondsgebunden statt klassisch. Ein fondsgebundener Tarif mit ETF-Auswahl liefert langfristig 2 bis 4 Prozentpunkte mehr Rendite als ein klassischer Tarif mit Garantiezins.
Tipp 3: Arbeitgeberzuschuss maximieren. Verhandle mit deinem Chef — viele Arbeitgeber sind bereit, mehr als die gesetzlichen 15 Prozent zuzuschießen. Jeder Euro Zuschuss ist steuer- und sozialversicherungsfrei.
Tipp 4: Als GGF ergänzen, nicht beschränken. Nutze die Direktversicherung als Basis — und baue mit Unterstützungskasse oder Pensionszusage darüber hinaus.
Fazit: Guter Einstieg, aber selten genug
Die Direktversicherung ist das einfachste Instrument der bAV — und für viele Arbeitnehmer völlig ausreichend. Für GGF ist sie aber nur der Grundstein. Wer seine Versorgungslücke wirklich schließen will, braucht mehr.
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