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bAV und Sozialversicherung: Warum Geringverdiener aufpassen müssen

Minijob? Teilzeit? Die bAV kann deine Versicherungslücken verstärken. Worauf du aufpassen musst.

Das Paradoxon der Entgeltumwandlung bei niedrigem Einkommen

Hier ist ein Ärgernis, das kaum jemand thematisiert: Je weniger du verdienst, desto kritischer ist die Entgeltumwandlung für deine Sozialversicherung. Wenn dein Brutto 1.500 Euro ist und du 200 Euro umwandelst, reduzierst du dein Einkommen um über 13 Prozent. Das hat Auswirkungen auf deine Krankenversicherung, deine Arbeitslosenversicherung und deine Rentenversicherung — alles gleichzeitig.

Die Theorie sagt: Du sparst 50-60 Euro pro Monat an Sozialversicherung, wenn du 200 Euro umwandelst. Das ist für Geringverdiener oft die einzige 'Ersparnismöglichkeit'. Die Realität sagt aber: Wenn du arbeitslos wirst, bekommst du Arbeitslosengeld auf Basis eines geringeren Einkommens berechnet. Das kann teuer werden.

Arbeitslosengeld und Entgeltumwandlung: Ein unterschätztes Risiko

Wenn du Arbeitslosengeld bekommst, wird es auf Basis deiner Beitragszahlung berechnet. Die Beitragssätze sind proportional zu deinem Einkommen. Wenn du durch Entgeltumwandlung dein versichertes Einkommen senkst, senkst du auch dein Arbeitslosengeld. Das ist ein reales Risiko für Geringverdiener.

Beispiel: Du verdienst 1.500 Euro netto, sprichst 200 Euro um. Dein versichertes Einkommen ist jetzt 1.300 Euro. Wenn du arbeitslos wirst, bekommst du Arbeitslosengeld auf Basis von 1.300 Euro, nicht 1.500 Euro. Das sind ca. 100-120 Euro weniger pro Monat — für viele Menschen ein enormer Unterschied.

Die Rentenversicherung: Vorsicht bei der Beitragssenkung

Ähnlich funktioniert es bei der Rentenversicherung. Wenn du weniger Beiträge zahlst (weil du weniger Einkommen hast), bekommst du auch eine kleinere Rente. Das ist logisch. Aber viele Geringverdiener denken: 'Mir hilft die Rente eh nicht, also sparen ist egal.' Das ist falsch. Jeder Euro in der Rentenversicherung hilft.

Minijobber mit bAV: Eine gefährliche Kombination

Wenn du einen Minijob hast (603 Euro), darfst du sozialversicherungsfrei verdienen — das heißt, du zahlst nichts ein und bekommst später nichts raus. Eine bAV dabei anzusparen ist keine Versicherung, sondern nur Sparen. Das ist nicht automatisch schlecht, aber es ist wichtig zu wissen: Du zahlst zweimal, wenn du später arbeitslos wirst oder Krankheit nicht versichert bist.

Teilzeitbeschäftigung und die Krankenversicherung

Wenn du Teilzeit arbeitest und 250 Euro umwandelst, spart dein Chef 12,5 Prozent Sozialversicherung. Das ist für ihn attraktiv. Für dich? Kompliziert. Deine Krankenversicherung bleibt normalerweise bei der Krankenkasse, aber dein Einkommen sinkt. Wenn du später familienversichert werden möchtest (Ehepartner) oder ALG II bekommen würdest, kann das Unterschiede machen.

Die versteckte Folge: Arbeitslosenversicherungslücke

Das kennt kaum jemand: Wenn du durch Entgeltumwandlung unter eine bestimmte Schwelle rutschst, kannst du Probleme mit der Arbeitslosenversicherung bekommen. Manche Mini-Arbeitsverträge (ca. 300 Euro bei 603-Euro-Jobs) haben Besonderheiten. Wenn du hier kombinierst, wird es kompliziert.

Was sollten Geringverdiener also tun?

Erst nachdenken, dann unterschreiben. Das ist die Regel. Geringverdiener sollten überlegen: Brauche ich die Steuerersparnis von 50 Euro im Monat, wenn ich dafür mein Arbeitslosengeld um 100 Euro senke? Die Antwort ist oft: nein. Die bAV ist nicht für alle Menschen in allen Lebenslagen attraktiv. Das ist es, was niemand sagt.

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